Folge 1: Interview mit Alexander von Rente mit Dividende

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Shownotes

Alexander von Rente mit Dividende ist unser erster Gast im Hörspiel. Auf seinem eigenem Blog schreibt Alexander über seine (Dividenden-) Investitionen, seinen Plan und Themen rund um seine Strategie.

Rente mit Dividende gehört zu den beliebtesten Blogs in der Finanzblogszene und Alexanders Artikel liefern jede Menge Inhalt und Mehrwert.

Schon vor dem Interview war uns bewusst warum. Alexander las und liest sehr viele Bücher und setzt das Gelernte in die Tat um. Damit produziert er eine steile Lernkurve.

In unserem Interview verrät er seine drei Lieblingsfinanzbücher, was er aus ihnen gelernt hat und warum Du sie auf jeden Fall gelesen haben solltest.

 

Alexanders Lieblingsbücher – Top 3

Platz 3: Die Value Zauberformel by Christopher H. Browne / Amazon

Platz 2: Das Leben ist wie ein Schneeball by Alice Schroeder  / Amazon

Platz 1: Buffettology by Mary Buffett und David Clark  / Amazon

Bonus Nr. 1: Dagobert Duck – sein Leben, seine Milliarden: Die Biografie von Don Rosa (Amazon)

Bonus Nr. 2: Das Kapital von Thomas Piketty (Amazon)

 

Begrüßung und Vorstellung

Mike: Hallo Alexander, schön, dass Du heute im „beste Finanzbücher“-Podcast dabei bist. Wir verfolgen Deinen Blog „Rente mit Dividende“ schon seit einer gefühlten Ewigkeit und es war in der Tat einer der ersten Finanzblogs, die wir entdeckt haben. Umso mehr hat es uns gefreut, Dich im Juni in Kassel persönlich bei der ersten Finanzbloggerkonferenz kennen zu lernen.

Marielle: Und jetzt freuen wir uns total, Dich als ersten Podcast-Gast beim Hörspiel der besten Finanzbücher begrüßen zu dürfen. Stell Dich am besten noch einmal kurz selbst vor. Wer bist Du, was machst Du und was sollten unsere Hörer sonst noch so über Dich wissen?

Alexander: Hallo Ihr Beiden. Zunächst: Ich habe mich auch wahnsinnig gefreut, Euch in Kassel kennen lernen zu dürfen. Und ich freue mich auch, dass ich der Ehre zu Teil werde, den ersten Podcast mit Euch machen zu dürfen.

Kurz zu mir: Wie bereits gesagt, mein Name ist Alexander. Ich bin jetzt knapp über 50 Jahre alt und betreibe seit 3 Jahren den Blog „Rente mit Dividende“. Im Blog geht’s letztendlich darum, dass ich meinen Werdegang der Dividendeneinnahmen darstelle, weil ich mir einfach eine Zusatzversorgung zur normalen deutschen Rentenversorgung schaffen möchte. Ich beleuchte dort verschiedene Themen, schreibe auch Buchrezessionen und weise meine Gedanken aus, die vielleicht nicht immer Mainstream sind. Das kommt bei den Leuten relativ gut an. Die ganze Geschichte läuft jetzt wie gesagt seit 3 Jahren – nach anfänglichen Stolpersteinen, hat es sich inzwischen ganz gut eingespielt und ich bin sehr zufrieden damit.

 

Ausblick

Marielle: Wir lesen Deinen Blog auch total gerne. Auch wegen der Buchrezessionen haben wir uns  dann gedacht: „Ahhh, das ist unser perfekter erster Gast“. Im Vorfeld hatten wir Dich ja schon einmal gebeten, Deine drei Lieblingsbücher herauszusuchen. Wir haben schon mitgekriegt, dass es bei Dir etwas schwierig war, weil Du schon so viel gelesen hast. Jetzt sind wir natürlich umso neugieriger, was denn die drei Bücher geworden sind.

Alexander: Also die Schwierigkeit mit den drei Büchern ist ja, dass ich eine schon sehr umfangreiche Bibliothek habe. Das heißt, dass ich über 100 Finanzbücher habe und auch andere Bücher lese. Und da drei Lieblingsbücher herauszufinden, war gar nicht so einfach.

Also ein Buch – ganz klar – ist von der Mary Buffet und vom David Clark „Buffettology“ – das ist mein absolutes Buch Nummer 1. Das ist für mich praktisch schon fast eine Investmentbibel. Die anderen Bücher – da gibt es sehr viele, die man schlecht werten kann. Es sind sehr viele gute dabei. Ich lese zum Beispiel sehr gerne Biografien, deshalb habe ich eine vom Warren Buffett dazu genommen.

Ich hatte erst überlegt, ob ich die vom Dagobert Duck nehme. Es ist ein sehr umfangreiches Bilderbuch, im Hardcover gebunden und ausgesprochen lehrreich, wenn man zwischen den Zeilen liest. Also man glaubt es nicht! Ich bin dann aber doch eher zum Sachbuch übergegangen und habe von den beiden Biografien, die ich von Buffett gelesen habe und beide gleich gut finde, eine gewählt.

Und dann hatte ich mir noch überlegt, ein kleines Büchlein „Die Value Zauberformel“ vom Herrn Brown. Es ist leicht zu lesen – da können wir ja später noch darüber sprechen – weil es keine hohen Anforderungen an den Leser stellt, aber eine gute Einführung in den Value-Gedanken gibt.

Das waren dann so meine Gedanken ohne jetzt eine Wertung abzugeben, da ich so viele Bücher habe. Welches soll man da nehmen? Es sind auch sehr schlechte dabei. Da könnte ich wahrscheinlich eher die schlechten nennen als die guten. Das waren die drei Bücher, die ich mir für unseren Podcast dann herausgesucht habe.

Mike: Ah das mit Donald Duck muss ich noch einmal kurz aufgreifen. Ich arbeite ja im Alltag sehr viel mit Kindern zusammen und deswegen haben wir auch die ganzen lustigen Taschenbücher. Wenn ich die durchblättere, muss ich Dir rechtgeben, da sind immer mal Sätze oder Glaubenssätze dabei von Dagobert Duck, bei denen ich verstehe, warum er so einen riesigen Geldspeicher aufgebaut hat.

Alexander: Ja also das ist im Prinzip auch eine Biografie von Dagobert Duck, die in seinen Kindertagen beginnt. Da hat er noch in Schottland gewohnt bevor er dann nach Amerika gekommen ist und sein Vermögen aufgebaut hat. Das Buch ist echt sehr tiefgründig. Das lohnt sich auf alle Fälle und ich kann jedem nur empfehlen, das mal durchzulesen. Man kann sehr viel daraus lernen, man glaubt es nicht.

Mike: Ja, nehmen wir das mal als Bonusbuch. Vielleicht kommen wir darauf später noch einmal zurück.

Marielle:  Mike, das könntest Du mit Deinen Kindern mal ganz genau durchgehen. Finanzbildung von Anfang an!

Lieblingsbuch Top 3 – Die Value Zauberformel

Mike: Ich werd’s mal im Hinterkopf behalten. Dann fangen wir doch mal mit Deiner Top 3 an. Das war die Value Zauberformel. Vielleicht magst Du eine ganz, ganz kurze Zusammenfassung über die Key-Take-Aways geben, bevor wir dann in die weiteren Fragen einsteigen.

Alexander: Also im Endeffekt gibt es ja verschiedene Anlagemöglichkeiten. Sei es das Day-Trading, die Contrarian-Stratgie und so weiter. Und eine der Möglichkeiten an der Börse ein gewisses Vermögen aufzubauen, ist die Value-Strategie. Value heißt Wert. Im Endeffekt schaut man nach, was ist ein Unternehmen wert und was ist der aktuelle Preis an der Börse. Und Brown geht in seinem Buch sehr einfach vor. Das heißt man muss keine Vorkenntnisse haben. Er erklärt, worauf es eigentlich ankommt, was die Grundlagen sind und worauf man achten soll. Er baut die ganze Geschichte auf und bringt auch am Ende des Buches einige Beispiele, wo es funktionieren könnte oder wo es auch funktioniert hat. Es sind auch verschiedene Strategien und Hinweise, was auch noch funktioniert sowie Statistiken drinnen. Aber das Ganze ist sehr einfach gehalten. Es ist ja auch ein sehr kleines Buch und hat mehr Taschenbuch-Format. Also das hat nicht so viele Seiten und ist etwas, was man gut mal im Zug lesen kann oder wenn man mal eine Pause hat. Dann liest man mal ein Kapitel. Es ist einfach geschrieben, relativ unterhaltsam und nicht von Fremdwörtern gespickt. Im Prinzip ist es eine Einführung in das wertorientierte Investieren.

Marielle: Okay, und der Untertitel von dem Buch ist ja „Eine Einführung in die erfolgreichste Anlagestrategie der Welt“. Warum wird jetzt die Strategie als die erfolgreichste der Welt bezeichnet? Es gibt ja tausende Strategien auf dem Markt.

Alexander: Letztendlich gibt es tausende. Aber sie gehen immer wieder auf den Wertansatz zurück. Es ist einfach die erfolgreichste Strategie nach Wert zu handeln. In den berühmten Listen von Forbes oder so, findet man nirgends Anleger, die über Trading oder Optionen, was momentan modern ist, reich geworden sind. Zumindest tauchen die nicht auf. Die ganzen Milliardäre sind alle über Value, das heißt über wertorientiertes Investieren, in die Liste gekommen. Also muss da irgendwas dran sein. Und es hat ja  auch nachweislich in den letzten Jahrhunderten geklappt und funktioniert. Es ist jetzt keine Geheimstrategie oder ähnliches. Man geht letztendlich her und sagt, was ist ein Unternehmen wert, was ist ein vernünftiger Wert. Und wenn man den bestimmt hat und es billiger kaufen kann, dann wird früher oder später am Markt dieser Wert wieder eingeholt werden und man hat einen Gewinn damit gemacht. Das ist das ganze Geheimnis.

Marielle: Handelst Du dann auch nach der Strategie?

Alexander: Teilweise. In den letzten Jahren habe ich, auch aufgrund des Buches Buffettology, mit dieser Strategie gearbeitet und gute Börsengeschäfte gemacht. Ich habe dann aber in den letzten Jahren meine Dividendenstrategie entwickelt und abgeleitet. Die geht in eine etwas andere Richtung, letztendlich ist aber immer noch ein bisschen Value dabei.

Mike: Ich glaube, die Crux bei der Value-Strategie ist doch, herauszufinden, was das Unternehmen wirklich wert ist. Bei kleineren Unternehmen ist es ja noch relativ einfach festzustellen. Aber wenn wir so Milliardenkonzerne haben, da gibt es so viele Einflussfaktoren. Werden da in dem Buch auch welche genannt?

Alexander: In dem Buch werden auch welche genannt, wobei ich sagen muss, dass die kleinen Unternehmen oft schwieriger zu analysieren sind als die großen. Das liegt daran, dass die Datengrundlage geringer ist. Aber bei börsennotierten Unternehmen hat man die Geschäftsberichte und der Brown geht sehr stark zum Beispiel auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Dann ein sehr beliebtes Thema, das sich durch die ganzen Bücher durchzieht, ist der Burggraben (Mount). Dass man schaut, dass dieser vorhanden ist und einfach über die Jahre vergleicht; wie wurde ein Unternehmen bisher an der Börse bewertet und wie wird es aktuell bewertet? Das kann man zum Beispiel über das mittlere KGV machen, wie ist die Entwicklung der Eigenkapitalrendite und solche Geschichte. Also man muss da gar nicht zu tief in die Bilanzbuchhaltung reingehen. Letztendlich reicht ein gewisser gesunder Menschenverstand. Man schaut sich die ganze Geschichte an, überlegt etwas und sucht sich dann die Zahlen heraus und vergleicht die. Wie war es früher, wie ist es heute. Wie ist es im Verhältnis zur Inflation. Wie ist es im Vergleich zu US-Staatsanleihen zum Beispiel. Und so kann man relativ einfach herausfinden, ist das Unternehmen überbewertet, fair bewertet oder ist es aktuell am Markt günstig bewertet. Einer der Punkte ist auch immer; wenn ein Unternehmen Probleme hat, die auch lösbar sind. Dann ist es immer der beste Zeitpunkt das Unternehmen zu kaufen. Da muss man natürlich mutig sein. Denn in dem Moment, in dem das Unternehmen die Probleme gelöst hat, wird sich auch der Kurs wieder entsprechend erhöhen.

Marielle: Ja klar, da muss man sie nur zum richtigen Zeitpunkt finden.

Alexander: Richtiger Zeitpunkt insofern, dass es nicht um ein paar Tage geht, sondern es zieht sich oft über Monate und Jahre hin. Da kann man dann schon erkennen, ob es wieder aufwärts und vorwärts geht und dann kann man da auch einsteigen.

Negativbeispiel ist Air Berlin. Wer Air Berlin verfolgt hat…die kämpfen seit Jahren! Und es war klar, früher oder später, wenn da ein Investor abspringt, machen sie den Laden zu. Das gleiche war damals beim Praktiker der Fall. Solche Unternehmen wie auch Q-Cells oder Solarworld gehen über Jahre nieder. Das kann man beobachten. Während bei anderen Unternehmen mit vorübergehenden Problemen, wo man erkennen kann, dass sie lösbar sind. Dann geht es da auch wieder aufwärts und es sind sehr gute Gewinne möglich. Man muss aber auch Zeit mitbringen, denn das sind Sachen, die Jahre dauern können. Die dauern manchmal 5, 6 oder 8 Jahre.

Mike: Ich glaube das typischste Beispiel ist doch Apple.

Alexander: Genau, zum Beispiel Apple. Ganz typisch. Die waren ja damals bei 2 Dollar; wenn man den Aktiensplit nicht berücksichtigt, sind sie jetzt bei über 1000 Dollar. Die wenigsten werden so lange dabei geblieben sein. Aber wer sich damals Apple angeschaut und vertraut hat, dass sie die Kurve kriegen, dabeigeblieben ist und moderat investiert hat, der hat jetzt seinen Schnitt gemacht. Ein anderes Beispiel ist das Unternehmen Drillisch.

Marielle: Ach ja, die hatte ich auch mal!

Alexander: Ja, das war ein Fehler sie zu verkaufen. Die Drillisch habe ich seit vielen Jahren im Depot. Das war ein Fall: Sie hatten sich an Freenet beteiligt, um unter das Dach von Freenet zu rutschen und die Abschreibungsmöglichkeiten von den Mobilfunklizenzen zu nutzen. Dann kam dummerweise die Finanzkrise und die Freenet-Beteiligung musste erheblich abgeschrieben werden. Am Geschäft von Drillisch hat sich jedoch nichts verändert. Die haben nach wie vor Geld mit dem Mobilfunk verdient, aber durch die immense, nicht cash-wirksame Abschreibung waren sie praktisch kurz vor der Insolvenzanmeldung. Sie sind auf unter einen Euro gefallen. Nachdem aber dieses Problem gelöst war, haben sie wahnsinnig hohe stille Reserven aufgebaut und wo der Kurs heute steht, sieht man. Aber solche Schnäppchen, macht man nur ein oder zwei Mal in seinem Leben. Eine Apple oder Drillisch erwischt man nicht oft – da muss man einfach Glück haben.

Mike: Ja beziehungsweise sich für die Thematik interessieren und sich über Jahre informieren.

Alexander: Und Glück!

Marielle: Und mutig sein!

Mike: Auch das – Was würdest Du sagen, wenn man jetzt die Strategie nach der Value Zauberformel verfolgen würde, wie viel Zeitaufwand das ist, ein geeignetes Unternehmen zu finden, in das man auch investieren kann?

Alexander: Zeitaufwand ist relativ. Wenn man jetzt die Börse einfach verfolgt, Nachrichten liest, vielleicht eine Börsenzeitschrift abonniert hat und vielleicht in den verschiedenen Foren liest, ist der Zeitaufwand in dem Sinne gar nicht messbar. Aber wenn man sich ein bisschen dafür interessiert und am Ball bleibt. Jeder der sich für die Börse interessiert, gibt sich am Tag eine halbe oder dreiviertel Stunde damit ab. Und gezielt suchen, tut man da eigentlich nicht, sondern verfolgt das Geschehen allgemein.

Für Firmen, für die man sich interessiert, bekommt man dann mit der Zeit ein Gefühl. Man kann natürlich auch hergehen und gezielt nach Aktien suchen, die ein 52-Wochen Tief haben und diese gezielt anschauen und das Graben anfangen. Da steckt dann auch Arbeit drin und da ist ein Zeitaufwand erforderlich. Aber ich würde sagen, mit etwas Interesse ist man mit 2-3 Stunden pro Woche gut bedient. Und man braucht ja nicht viele solche guten Firmen erwischen – es reichen ja 3 oder 4 Stück im Leben.

Marielle: Aber würdest Du sagen, dass man jetzt als Anfänger durch das Buch Lust bekommt zu investieren, wenn man es noch gar nicht macht oder meinst Du man sollte es eher erst lesen, wenn man schon mal etwas ausprobiert hat?

Alexander: Das kann man parallel machen. Irgendwo muss man immer anfangen sich auszuprobieren. Heutzutage steigen die Leute mit den ETFs ein, dann kriegen sie erst einmal ein Gefühl für die Börse. Dann fangen sie an sich für Einzelaktien zu interessieren und, wenn man sich für Einzelaktien interessiert, beginnt man auch sich über verschiedene Strategien Gedanken zu machen. Eine solche Strategie wäre zum Beispiel die Value Strategie. Andere fangen an mit dem Traden. In dem Buch sind beispielsweise auch Strategien aufgeführt, da geht man jedes Jahr hin und aus dem DAX, die fünf Aktien mit dem geringsten KGV heraussucht und bei Bedarf einmal im Jahr austauscht. Das ist also ein Aufwand von 10 Minuten einmal im Jahr und den Rest lässt man laufen, wie es ist. Das basiert auf der Strategie „Dogs-of-the-Dow“ – das ist im Prinzip auf den Dow Jones bezogen genau das Gleiche. Also da sind verschiedene Strategien drin, aber es ist nicht so als wenn es kompliziert oder unverständlich geschrieben wäre. Das ist eigentlich etwas, das jeder Einsteiger lesen kann, der beginnt sich für Aktien zu interessieren. Es ist meiner Meinung nach einer der Bausteine, der mit dazu gehört.

Mike: Okay, und dann auch verschiedene Möglichkeiten vorgestellt zu bekommen, sich auszuprobieren.

Alexander: Richtig, letztendlich muss man sich ausprobieren und muss sehen, in welche Richtung man laufen will, womit man sich wohlfühlt und was einem Spaß macht. Und das ist leichte Kost, wo man eine Einführung und ein Gefühl bekommt, welche Möglichkeiten es gibt und was man machen kann. Und wenn man interessiert ist, kann man sich weiterführende Literatur besorgen, sich im Internet informieren und dann schauen: Ist es was für mich? Und danach daran arbeiten.

Mike: Vielleicht noch eine abschließende Frage zu dem Buch: Wer sollte das Buch auf keinen Fall kaufen? Für wen ist es absolut ungeeignet?

Alexander: Absolut ungeeignet ist eine gute Frage. Gelesen haben, sollte es eigentlich jeder, der sich für die Börse interessiert. Das heißt für die typischen Trader ist es uninteressant. Für die Statistiker ist es uninteressant. Für diejenigen, die schon länger an der Börse sind und von der Value Strategie nichts halten, ist es uninteressant. Und für jemanden, der nicht gerne liest und sich Gedanken macht, ist es auch uninteressant. Aber als Lektüre nebenbei ist es jedem zu empfehlen!

 

Lieblingsbuch Top 2 – Das Leben ist wie ein Schneeball

Marielle: Cool, dann kommen wir jetzt zu Deiner Nummer 2. Das muss man ja wahrscheinlich auch nur lesen, wenn man gerne liest. Wir haben es auch hier liegen und es ist ja extrem dick. Deine Nummer zwei ist die Biografie „Das Leben ist wie ein Schneeball“. Möchtest Du uns da auch kurz erzählen, worum es geht und was Dich so daran überzeugt hat, dass Du es heute auf Deine Nummer 2 gewählt hast?

Alexander: Also zum einen ist es ja die Biografie von Warren Buffet. Er gilt ja als der beste Value-Anleger der Welt. Er hat aus dem Nichts angefangen und einen Milliardenkonzern aufgebaut.

Ich bin generell an Geschichten, also Biografien interessiert. Was haben die Leute gemacht, wie war ihre Lebensentwicklung und wie haben sie die geschafft. Wo waren die Höhen und wo die Tiefen. Also man kann am meisten von anderen lernen. Und was mich an Warren Buffet fasziniert ist, dass er auf dem Boden geblieben ist und er ist ein absoluter Ehrenmann. Er steht zu seinem Wort. Er kauft ein Unternehmen für 50 Millionen, 100 Millionen, eine Milliarde, mit einem Handschlag und steht zu dem, was er gesagt hat und hält sich daran. Heutzutage ist es ja schick im Internet über andere herzuziehen. Das macht er auch nicht. Er ist immer sehr integer und ehrlich geblieben. Er hat eine hohe moralische Vorstellung, auch wenn er ein knallharter Geschäftsmann ist. Und das fasziniert mich besonders an Warren Buffet. Nicht weil er Milliarden gemacht hat, sondern weil er einen faszinierenden Charakter hat. Deshalb habe ich eine Biografie von ihm ausgewählt.

Mike: Warren Buffet hat ja inzwischen auch schon Kultcharakter erreicht und seine Hauptversammlungen werden im Internet übertragen, da so viele Leute zuschauen. Mich hat fasziniert, dass er ja schon sehr früh angefangen hat, sein eigenes Geld zu verdienen. Und zwar, indem er sich Coca Cola Sixpacks gekauft hat, die 25 Cent gekostet haben. Und dann einfach jede Flasche für 5 Cent weiterverkauft hat. Das heißt, er hat mit jedem Sixpack 5 Cent Gewinn gemacht.

Alexander: Ich meine er hatte dann die Dose für 20 oder 25 Cent gekauft und dann für 5 Cent mehr weiter verkauft. Also er hat 20 % Gewinn gemacht an jeder Dose. Das zieht sich auch durch das Leben von Warren Buffet. Also er war von frühester Kindheit an sehr zielorientiert. Ihn hat es schon immer interessiert, dass er Geld verdienen kann und hatte schon frühzeitig Aktien, als andere noch gar nicht darüber nachgedacht haben. Und er war mathematisch begabt und hat gerechnet, was ein Produkt, das er heute kauft, ihn in 30, 40 Jahren theoretisch gekostet hätte. Deswegen ist er auch immer nur alte Autos gefahren. Der Warren Buffet hat eigentlich in sehr jungen Jahren den Zinseszinseffekt erkannt und verstanden. Ich habe dafür ja glaube ich 40 Jahre gebraucht. Das hat er intuitiv anscheinend in sehr jungen Jahren erfasst.

Was auch faszinierend an ihm ist und auch im Buch vom Dagobert Duck sehr gut rüberkommt: Die haben ein Ziel vor Augen, halten daran fest und auch wenn es Stolpersteine auf dem Weg gibt, wird so lange gekämpft, bis sie es geschafft haben. Ich habe neulich einen passenden Spruch gehört: Am Ende wird alles gut – ist es noch nicht gut, ist es auch noch nicht zu Ende. Und das sagt doch sehr viel aus: Wenn man sich daran hält, dabei bleibt, eisern, und nicht aufgibt und alles dafür macht. Dann wird man auch am Ende erfolgreich sein.

Mike: Es bleibt ja auch gar nichts anderes übrig. Also wenn man immer bei einer Sache sehr fokussiert arbeitet und reflektiert, warum Dinge jetzt nicht funktioniert haben, wie sie eigentlich funktionieren sollten. Und das wieder anpasst und wieder probiert und wieder anpasst und wieder probiert – dann muss ja die Dienstleistung, das Projekt oder das Vorhaben irgendwann so perfekt sein, dass gar nichts anderes mehr übrig bleibt als Erfolg zu haben.

Alexander: Das ist richtig. Aber die meisten Leute geben bereits nach ein oder zwei Fehlschlägen auf und konzentrieren sich auf das nächste Objekt oder Projekt. Und das lernt man aus diesen Büchern – durchgängig durch alle Biografien, die ich gelesen habe. Auch die von Donald Trump übrigens – die habe ich gelesen noch bevor er Präsident wurde. Das zieht sich durch alle erfolgreichen Persönlichkeiten durch, dass sie am Ball bleiben und nicht aufgeben. Heutzutage wird etwas probiert und wenn es nicht geht, kommt das Nächste. Und das lernt man da oder sollte man lernen, weil man es rauslesen kann, das das einer der Punkte ist, warum die Leute auch Erfolg haben.

Mike: Das stimmt! Und das ist auch wirklich egal, welche Biografie ich gelesen habe – von Steve Jobs oder auch der Kelly Family. Da hat der Vater ja auch 18 Jahre lang gesagt: „Wir machen weiter, wir werden erfolgreich sein.“ Und nach 18 Jahren haben sie es ja dann geschafft.

Alexander: Ja, das Geheimnis meines Erfolges ist Hartnäckigkeit. Das ist auch bei mir mit der Dividendenstrategie so. Der Zinseszinseffekt wirkt in der Regel erst nach 6-7 Jahren. So lange muss man erst einmal durchhalten mit seinen Erstinvestments bis man erste Erfolge sieht. Viele bescheinigen mir auch immer auf dem Blog, ich hätte ein ziemliches Durchhaltevermögen. Meine Frau sagt ich sei ein Sturkopf. Vielleicht hilft das auch, dass man da weiter kommt. Aber im Prinzip habe ich das aus diesen Büchern herausgezogen: Dabei bleiben, eisern bleiben, sich einen Plan aufstellen, schauen läuft’s nach Plan und wenn nein, nachjustieren. Aber das Ziel nicht aus den Augen verlieren und immer fokussiert weitermachen und dann wird es auch was werden. Und deshalb liebe ich eigentlich Biografien.

Marielle: Aber steht in der Biografie auch drin, wie Buffett denn zu diesem Mindset eigentlich kam? Denn wenn er schon so früh angefangen hat, muss es ja irgendeinen Auslöser geben, warum er so fleißig und motiviert an seinem Ziel arbeitet?

Alexander: Das ist bei ihm angeboren. Es gab da keinen Auslöser, dass man sagt, er hatte ein Erlebnis mit drei, vier, sechs, sieben, acht Jahren. Sondern er ist einfach durch das Umfeld damals geprägt und es war ihm von frühesten Kindesbeinen an klar, dass er erfolgreich sein will und ein Vermögen aufbauen will. Und dass für ihn die Börse der richtige Weg ist. Er ist natürlich geprägt dadurch, dass in der Familie vorher schon mit Aktien gehandelt wurde und schon eine gewisse Affinität zu Börse und Aktien vorhanden war. Aber es war ihm eigentlich von Anfang an klar, dass er körperlich nicht arbeiten sondern durch investieren erfolgreich werden will.

Marielle: Und steht in dem Buch auch drin, warum er das jetzt immer noch macht? Er hat jetzt auch schon ein stattliches Alter erreicht und müsste nun wirklich nicht mehr arbeiten und tut es dennoch. Ist das, weil es ihm einfach Spaß macht?

Alexander: Das ist seine Lebenseinstellung, seine Philosophie. Er hat das glaube ich auch nie als Arbeit gesehen und ist vergleichbar mit einem Sportler. Wer mal Fußballer war, der wird sich mit 80 / 90 immer noch für Fußball interessieren, in einem Verein tätig sein oder in irgendeiner Form etwas machen. Und das sieht man ja bei sehr vielen Selbstständigen – wenn man zum Beispiel eine Investmentgesellschaft hat. Wenn ich den Herrn Stiehl anschaue – der ist auch schon 80 / 90 und ist noch im Geschäft tätig. Das war auch der Herr Fischer von Fischer Dübel / Fischer Technik. Mit 80 ist er immer noch rein gegangen und hat Erfindungen gemacht. Die Geschäftsführung hat er zwar an die jüngeren abgegeben. Aber wenn man so ein Unternehmen aufgebaut hat und leitet, sieht man es nicht als Arbeit an, sondern es ist wie ein eigenes Kind. Und es wird immer das Kind bleiben, bis man stirbt. Die machen natürlich weniger und sind nicht  mehr jeden Tag 12, 14 Stunden tätig, aber sie machen jeden Tag einfach weiter. Das ist wie ein Hobby das man betreibt: Wenn jemand eine Eisenbahn im Keller hat, sagt er auch nicht: „Ich bin jetzt 72 und höre jetzt auf“, sondern der wird weiter an seiner Eisenbahn basteln.

Marielle: Stimmt, das ist dann eigentlich mehr ein Hobby als ein Job.

Alexander: Das ist Lebensinhalt!

Mike: Du hast ja bereits am Anfang gesagt, dass Du mehrere Biografien von Warren Buffett gelesen hast. Was unterscheidet denn diese Biografie von den anderen, was macht sie vielleicht ein bisschen besonders?

Alexander: Ich könnte jetzt nicht sagen, ob sie besonders ist. Im Vergleich zu der anderen Biografie ist das Buch genauso dick und seine Lebensgeschichte bleibt ja gleich. Ich glaube die vom Andrew Kilpatrick, der die andere Biografie „Vom bleibenden Wert“ geschrieben hat, ähnelt dieser natürlich sehr. Und die beiden waren sehr nahe auch im Leben vom Warren Buffett und man kann jetzt nicht sagen, dass die eine besser oder schlechter wäre als die andere. Mich haben einfach beide interessiert, ich habe beide zwei Mal gelesen. Aber aufgrund der Dicke des Buches könnte ich jetzt nicht sagen, dass da große Unterschiede sind. Der Werdegang ist ja der Gleiche geblieben. Also man kann wertfrei sagen – egal welche man kauft – man liegt mit beiden richtig.

Mike: Okay, es ist auch spannend, dass sich zwei Bücher so durchsetzen können, trotz fast identischen Inhalts.

Alexander: Warren Buffett fasziniert einfach die Leute. Es sind schon sehr viele Bücher über ihn geschrieben worden. Er selber schreibt ja praktisch keine Bücher. Er schreibt nur seine Jahresberichte und die Briefe an die Aktionäre. Da wird natürlich viel über ihn geschrieben, aber das sind die einzigen beiden Biografien, die ich kenne.

Marielle: Ich habe auch gelesen, dass er explizit gesagt hat, dass diese Biografie von ihr geschrieben sein soll. Das ist ja glaube ich eine Mitarbeiterin von ihm. Ist es denn trotzdem kritisch das Buch oder beleuchtet es nur die guten Seiten seines erfolgreichen Lebens?

Alexander: Es ist durchaus kritisch. Kritisch-sachlich sage ich mal. Es ist jetzt nicht so, dass es von einem Fan geschrieben wurde, um irgendeinen Star nach oben zu jubeln. Es ist eigentlich sachlich geschrieben und versucht nicht irgendwas zu beschönigen. Es hinterfragt aber auch nicht, ob etwas richtig oder falsch war. Es wird einfach versucht sein Weg so darzustellen, wie es tatsächlich war – auch mit den Schwierigkeiten und Fehlentscheidungen, etc. Es ist eigentlich sachlich.

Marielle: Also hat er auch Fehler gemacht?

Alexander: Er hat auch Fehler gemacht. Er hat eben mehr richtig als falsch gemacht. Und dadurch hat sich auch der Erfolg bei ihm gezeigt.

Marielle: Cool, dann sollten wir das Buch auch endlich mal lesen. Seit ein paar Tagen haben wir es auch hier bei uns.

Alexander: Ja das solltet Ihr definitiv tun!

Mike: Es steht auf der Leseliste – spätestens in Australien und Neuseeland Ende des Jahres. Da haben wir ja 5 Wochen Zeit.

Alexander: Ja dann bin ich gespannt, ob ihr das schafft (lacht).

 

Übers Lesen – Teil 1

Mike: Vielleicht noch ein paar Fragen abseits von den Büchern. Was müsste denn ein Buch haben, damit es Dich wirklich fesselt und Du es kaum aus der Hand legen kannst?

Alexander: Also es muss zum einen flüssig zu lesen sein, d.h. es muss ein roter Faden da sein, der sich durchzieht. Es muss auch vom Satzbau und der Grammatik her flüssig zu lesen sein. Und das Thema an sich, muss mich einfach interessieren. Das beste Buch nützt nichts, wenn ich kein Interesse daran habe.

Als Negativ-Beispiel habe ich derzeit ein Buch einer Journalistin, die schreibt über Blackrock – die Investmentgesellschaft von Larry Fink. Ich habe mich seit Wochen durchgequält und es jetzt, nachdem ich die Hälfte gelesen habe, auf die Seite gelegt. Sie springt zwischen einzelnen Thematiken hin und her. Sie springt zwischen zeitlichen Abfolgen hin und her. Manchmal sehe ich keine Zusammenhänge – mir fehlt der rote Faden. Ich kann dem Buch nicht folgen. Vielleicht ist es auch zu intellektuell für mich, das mag sein. Ich habe kein Interesse, keinen Spaß dran.

Ein Buch muss mir auch in gewisser Weise einen Mehrwert geben. Dass ich das spannend finde, durchlese, weil ich denke, dass etwas kommt, das ich noch nicht weiß. Ich lese natürlich viele Bücher und habe auch viele Einstiegsbörse der Börse gelesen, etc. Mit der Zeit muss man sagen, dass sich alles wiederholt und auch oft eine gewisse Langeweile dabei ist. Da lese ich es dann eigentlich nur, dass ich es gelesen habe.

Ein anderes interessantes Beispiel, wozu ich auch bald eine Rezension schreiben werde, ist von der Gisela Enders. Die haben wir ja auch in Kassel kennengelernt. Sie hat ja ein E-Book geschrieben, über finanzielle Freiheit. Also ich muss sagen, dass ich die ersten 40 Seiten in einem Zug durchgelesen hatte. Das fand ich total spannend, weil es auch gut aufgebaut war – sprachlich und stilistisch. Und das hat mir einfach Spaß gemacht zu lesen.

Aber ich könnte jetzt nicht sagen, was muss ein Buch haben, das es mir gefällt. Das ist immer schwierig. Was muss eine Frau haben, dass sie einem gefällt? Ist im Prinzip das Gleiche. Es sind gewisse Kriterien und man nimmt ein Buch zur Hand und entweder es gefällt und ich lese es durch oder ich lege es Beiseite, weil es uninteressant ist. Das fängt mit dem Sprachstil natürlich an.

Marielle: Okay, Du hast jetzt vorhin gesagt, dass Du auch schon wahnsinnig viele Finanzbücher gelesen hast. Behältst Du die alle oder verkaufst Du sie wieder oder hast Du einen eigenen Raum für Deine Bücher?

Alexander: Raum ist übertrieben, ich habe ein Arbeitszimmer oder Büro – da habe ich Bücherregale drin und da sind all meine Finanzbücher drin. Die anderen Bücher habe ich viel weiterverschenkt, die Finanzbücher habe ich alle aufgehoben. Einige habe ich auch schon zwei oder drei Mal gelesen, da man es immer wieder vergisst.

In den letzten Monaten bin ich aber zu Überlegungen gekommen, ob ich nicht mal anfange zu reduzieren. Also wir haben hier einen öffentlichen Bücherschrank, das heißt, da kann jeder Bücher reinstellen und Bücher herausnehmen. Das hat sich in den letzten Jahren in einigen Städten etabliert. Und da bin ich am überlegen, ob ich nicht einige Bücher reinstelle und vorne etwas reinschreibe, was ich an dem Buch gut finde und worauf die Leute achten sollen, wenn sie es lesen. Einige Bücher werde ich auf alle Fälle behalten, da sie mir einfach persönlich wertvoll sind. Aber es sind auch viele Bücher dabei, die ich so nicht ein drittes Mal lesen werde und eigentlich nicht mehr bräuchte.

Weil wir grade bei Büchern sind: Ich habe zum Beispiel von Thomas Piketty das Kapital gelesen. Das zieht sich zwar sehr hin, aber ist ausgesprochen lehrreich und sehr interessant. Also das würde ich auch jedem Mal empfehlen, der über Geld nachdenkt, wie die Geschichte des Geldes über die Jahrhunderte ist und wo wir heute stehen mit unserem Finanzsystem. Da kann man auch drüber nachdenken – so als Zwischeneinwurf. Wie gesagt, es ist auch sehr schwer zu lesen, und ist so eins, was ich mir auch gut vorstellen kann zu verkaufen. Das sind wieder 5-10 Euro, die ich wieder investieren kann.

Marielle: Es gibt ja auch so Bücher, die hat man gelesen und will sie nicht auch nochmal durchblättern oder angucken.

Alexander: Ja also da habe ich einige Bücher, bei denen ich weiß, dass ich sie eh nicht mehr lese. Eigentlich ist es ein Quatsch, dass ich die noch aufhebe. Für mich sind Bücher etwas „Wertvolles“. Das heißt ich behandle meine Bücher ordentlich. Ich ärgere mich immer, wenn ich sehe, wie Leute eine Buchseite umknicken und das als Lesezeichen benutzen.

Mike: Ohhh, da blutet mein Herz!

Alexander: Da blutet auch mein Herz! Für mich ist ein Buch etwas, wo sich ein anderer Gedanken gemacht hat. Es ist für mich etwas „Wertvolles“.

Dann gibt es Bücher, die sind gut oder schlecht geschrieben. Dennoch sind sie erst einmal etwas „Wertvolles“ und ein Buch gehört für mich ordentlich und anständig behandelt. Meine Bücher sind teilweise abgegriffen – von der Nummer 1, über die wir gleich noch reden. könnte ich mir mal eine neue Version kaufen, weil es abgegriffen ist. Aber ich nehme zum Beispiel auch von den Hardcovern die Papiereinbände ab, wenn ich sie lese. Wenn ich sie gelesen habe, mache ich dann auch den Umschlag wieder rum bevor ich es ins Regal stelle.

Meine Bücher sehen teilweise aus wie neu. Die sind dann vielleicht an der Oberseite durch die Sonne vergilbt. Aber die Bücher sehen teilweise so aus, als wenn man sie frisch auspackt.

Mike: Ich finde ein Buch ist so ein Wegbegleiter. Wenn ich zum Beispiel viel mit der Bahn unterwegs bin, habe ich so ein Buch immer in der Hand. Die sehen bei mir also schon schnell vergriffen aus. Ich kriege aber auch total den Hals, wenn ich sehe, wie jemand ein Buch so auf die Seiten legt und damit den Rücken bricht. Das tut weh!

Marielle: Ich würde auch gerne noch wissen, ob Du auch E-Books liest oder ob das nichts für Dich ist, wenn Dir Bücher so wichtig sind.

Alexander: Also ich habe selber keinen E-Book-Reader. Ich habe ein IPad, allerdings spiegelt mir das von der Oberfläche her zu sehr. Und ich habe die Bücher doch lieber in der Hand und kann mal einen gelben Klebezettel reinmachen und schneller hin und her blättern. Von dem Buch von der Gisela, habe ich mir sogar einen Ausdruck gemacht und Notizen reingemacht, da es in dem Sinne dann kein richtiges Buch für mich war. Ich bin nach wie vor jemand, der gerne ein Buch in den Händen hält und wenn es dick und schwer ist, ist das auch in Ordnung. Mit E-Books könnte ich mir vorstellen einen Roman zu lesen, aber nicht ein Fachbuch.

Marielle: In einem Roman blättert man dann eben auch echt nicht so nach hinten und man liest es auch in einem schneller durch.

Alexander: Genau, das liest man und blättert nicht zurück.

 

Lieblingsbuch Top 1 – Buffettology

Mike: Ich glaube wir haben unsere Hörer jetzt lange genug auf die Folter gespannt: Buffettology. Du hattest im Vorfeld gesagt, dass Dich das Buch sehr geprägt hat – Warum?

Alexander: Man muss dazu sagen, dass ich ja jetzt schon ein paar Jahrzehnte an der Börse tätig bin. So lange gibt es das Internet nicht und heutzutage, kann man ja viele Informationen schon aus dem Internet ziehen.

Man musste früher ein Buch kaufen und besorgen, um Informationen zu bekommen. Letztendlich sehen die meisten heutzutage die Aktien als Papiere an der Börse, die man billig kauft und möglichst teuer verkauft und Gewinn erwirtschaftet. Das ist das klassische Trading. Kaum einer bzw. sehr wenige sehen, hinter dieser Aktie ist es ein Unternehmen.

Dieses Buch hat mich eigentlich dahingehend geprägt, dass ich vom klassischen billig kaufen und teuer verkaufen weggekommen bin und erst einmal das Unternehmen sehen. Und am Unternehmen habe ich die Möglichkeit mich dran zu beteiligen über eine Aktien an der Börse und dafür wird der Preis gehandelt. Aber ich sehe inzwischen ein Unternehmen und nicht ein Papier, dessen Wert nach oben und unten geht – das war für mich das prägendste Element.

Ein weiteres prägendes Element war, dass man da im Prinzip lernt, langfristig zu denken. Und nicht, ich kaufe heute und verkaufe morgen wieder, um den schnellen Reibach zu machen. Sondern, wenn man ein Unternehmen sieht, dass man ihm auch langfristig Zeit gibt, sich zu entwickeln und es nicht auf Quartalsberichte ankommt.

Ich habe extra wegen dem Podcast das Buch noch einmal durchgelesen und da bin ich eben darauf gekommen, wie wesentlich es mich geprägt hat. Ich merke, dass ich unterbewusst in meinen Blogbeiträgen, in Podcasts (ich war zum Beispiel in dem vom Daniel, dem Finanzrocker) Beispiele herangezogen habe, die auch in dem Buch genannt sind. Und da habe ich erst gemerkt, wie sehr mich das geprägt hat.

Also das ist für mich sozusagen der Einstieg ins Value Investing und auf der Basis habe ich dann auch meine langfristige Dividendenstrategie entwickelt und aufgebaut. Und ich habe vor Jahren – das Buch ist 20 Jahre alt – ich habe das immer wieder den Leuten empfohlen und diejenigen, die es gelesen haben, haben gesagt: „Fantastisch“.

Marielle: Wann hast Du es zum ersten Mal gelesen?

Alexander: Ich denke, das war die zweite Auflage von 2002. Also habe ich es auch um den Dreh gekauft und gelesen. Dürfte also so 15 Jahre her sein. Damit habe ich dann auch angefangen mich mit der Value Strategie zu beschäftigen, habe dann auch angefangen nicht mehr die Unternehmen blind zu kaufen sondern mich mit ihnen auseinandergesetzt. Damit habe ich dann auch angefangen gute Unternehmen zu finden, es hat auch sehr gut funktioniert. Ich habe nur den Fehler gemacht, ich habe jedes Mal zu früh verkauft und mir sind dann die dicken Gewinne durch die Lappen gegangen, weil ich einfach zu schnell verkauft habe. Aber es hat hervorragend funktioniert.

Marielle: Okay, du hast mit dem Buch dann auch einfach Unternehmen herausgesucht, die langfristig gut funktionieren können. Wenn Du sagst das Buch setzt so auf Langfristigkeit, dann ist „Buy-and-Hold“ wahrscheinlich auch DIE Strategie dafür oder?

Alexander: Ja ich habe mit dem Buch eigentlich gelernt zu investieren.

Marielle: Und nicht mehr zu Traden?

Alexander: Traden kann man auch nicht sagen. Früher war es an der Börse ebenso, da hat man spekuliert, blind gezockt. Und damit habe ich das Investieren gelernt.

Mike: Ich fand es ganz interessant, was Du gesagt hast, warum Dich das Buch geprägt hat: Dieser Unterschied zwischen Investieren und Spekulieren oder auch Traden, ist es sich die Unternehmen dahinter zu betrachten. Und das ist ja auch der Grund warum wir in Einzelaktien investieren, weil wir über die Unternehmen was lernen wollen und damit auch unsere Umwelt ganz anders wahrnehmen. Ging das Dir auch so?

Alexander: Das erst in dritter Linie!

In erster Linie ging es mir darum, ein Unternehmen richtig einschätzen zu können von den Finanzkennzahlen her. Worauf kommt es an? Welche Finanzkennzahlen sind wichtig? Worauf schaue ich? Wie ist die ganze Entwicklung des Unternehmens? Kann ich aus vergangenen Zahlen eine zukünftige Prognose, eine Abschätzung in irgendeiner Form machen?

Solche Geschichten habe ich da erst einmal gelernt. Und ein Unternehmen anzuschauen. Jetzt nicht um ein Unternehmen nach seiner Tätigkeit zu beurteilen, sondern nach den Finanzkennzahlen und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu beurteilen.

Und das ist eigentlich auch gar nicht schwer, investieren ist furchtbar leicht. „It is easy too learn, but hard to master“. Und das Buch ist das aus dem ich insgesamt am Meisten gelernt habe.

Marielle: Und habe ich es richtig verstanden, dass das Buch auch das ist worauf Warren Buffett’s Strategie basiert?

Alexander: Im Prinzip, ja. Die Mary Buffett war ja die Schwiegertochter vom Warren Buffett, sie war 12 Jahre lang mit einem Sohn von ihm verheiratet. Und sie ist natürlich so nahe an ihm heran gewesen, wie sonst kaum ein anderer Mensch. Warren Buffett lebt ja relativ zurückgezogen, in seiner eigenen Welt auch. Aber dadurch, dass sie praktisch Familienmitglied ist, kommt sie sehr nah ran und das ist eigentlich eines der besten Bücher, die ich kenne oder das Beste, was ich überhaupt kenne, das zeigt, wie Warren Buffett überhaupt beginnt grundsätzlich über Unternehmen nachzudenken, zu analysieren, um dann zu sagen: Okay, dieses Unternehmen gefällt mir, da möchte ich beteiligt sein oder es am besten ganz besitzen.

Marielle: Also versteht man dann auch, warum er aufgrund seines Ansatzes eben erfolgreicher ist als andere?

Alexander: Ja das ist mit einer der Gründe. Also die Ansätze wie Warren Buffett sie betreibt, ist auch in dem Buch, über das wir vorhin gesprochen haben, die Value Zauberformel. Das ist ein Value Ansatz, der ist bei allen gleich.

Es gibt sehr viele Value Investoren, die alle den gleichen Ansatz haben. Nur der Warren Buffett hat einfach noch ein Gefühl, ein Gespür, das sehr vielen letztendlich fehlt. Es gibt einfach sehr gute Tennisspieler, aber es gibt immer einen, der zaubert immer Bälle raus, da staunt man einfach. Und das ist so das letzte Quäntchen, das Warren Buffett hat, worin er sich von den anderen unterscheidet. Viele sagen ja, er ist einfach ein Genie und hat ein fantastisches, fast schon fotographisches Gedächtnis.

Aber vom Grundprinzip her, die Value Strategie funktioniert und so wie Warren Buffett es macht, wird man in der Regel, zwar nicht unbedingt Millionär, aber frei in die Zukunft schauen.

Marielle: Cool, ich habe das Buch noch nicht gesehen. Wie dick ist das Buch? Ist es so wie die Biografie oder eher bisschen dünner?

Alexander: Es ist dünner. Es ist ein Taschenbuch, das hat knapp 400 Seiten und ist relativ groß geschrieben. Es ist auch gut verständlich geschrieben. Es ist natürlich altersbedingt, manchmal regt es auch zum Schmunzeln an.

Bei der Barwert-Berechnung wird mit einem Texas-Instruments-Taschenrechner, der damals relativ teuer war – heute kann jedes Handy mehr – gezeigt wie man den Barwert ausrechnet. Da gibt’s heute fertige Tabellen. Excel macht das mit 2 Mausklicks. Das war damals eine tolle Sache und regt jetzt natürlich zum Schmunzeln an.

Was auch interessant ist: Bei der Betrachtung verschiedener Unternehmen. Ich weiß nicht, ob Ihr Fruit of the Loom kennt? Dieses Bekleidungsunternehmen! Mary Buffett hat dann zum Beispiel anhand der Kriterien das Unternehmen Fruit of the Loom hergenommen und gesagt, das ist das Unternehmen schlechthin im Bekleidungssektor – kennt heute kein Mensch mehr!

Während Intel ist so ein Massenprodukt-Unternehmen – mit denen würde man nicht unbedingt einen grünen Blumentopf gewinnen. Also ich sage mal, wer vor 20 Jahren in Intel investiert hätte, wäre mit Sicherheit wesentlich besser gefahren.

Das sind dann so Sachen, wo man ein bisschen schmunzeln muss. Aber man sieht auch daran, dass es nicht die alleinseligmachende Glückseligkeit ist. Es kann funktionieren oder nicht. Man wird immer mal einen Fehlgriff machen, das ist klar. Aber die Richtung passt auf alle Fälle. Man wird nie mit 100 % der Unternehmen, die man danach auswählt, auch Erfolg haben. Es sind sehr viele Unternehmen darin aufgeführt, die heute – 20 Jahre später – immer noch erfolgreich am Markt sind.

Mike: Und es ist ja auch nie so! Also es werden nie alle Faktoren mit einberechnet werden, ob jetzt das Ganze erfolgreich sein wird, oder nicht. Es wird ja immer ein Prozentsatz ungewiss bleiben. Hauptsache ist ja einfach nur, dass man insgesamt, also über 50% der Fälle, richtig liegt.

Alexander: Davon kann man ausgehen, das ist ganz klar. Warren Buffett geht einfach her und schaut sich die Unternehmenskennzahlen der letzten 10 Jahre an.

Also wie ist die Gewinnentwicklung? Sind die Gewinne sporadisch wie bei zyklischen Unternehmen z.B. Stahlindustrie oder ähnliches – die springen extrem hin und her. Oder sind die Gewinne gleichmäßig – nehmen wir z.B. Versicherungsgesellschaften – nicht unbedingt Rückversicherer – oder Lebensmittelindustrie, Tabakindustrie (Altria und ähnliches). Diese Gewinne verlaufen relativ gleichmäßig und man kann auch sehen, dass die Gewinne im Laufe der Jahre steigen. Und da geht er her und sagt, wenn das die letzten 10 Jahre so war, besteht rein daher gesehen, eine Chance, dass es vielleicht die nächsten 10 Jahre auch so läuft. Wo könnte ich da stehen? Das ist eines der Kriterien. Dann sagt er eine hohe Eigenkapitalrendite bei relativ geringer Verschuldung. Aus der Eigenkapitalrendite kommt das Geld heraus. Was macht das Management mit dem Geld? Das sind so einzelne Kriterien, die er abklopft. Und so mache ich das auch bei meiner Strategie und danach habe ich auch meine Unternehmen herausgesucht.

Es werden natürlich nicht alle laufen, darüber muss man sich im Klaren sein. Aber langfristig sollte es funktionieren. Und er hat damit gute Erfolge erzielt, indem er auch schaut, welche Unternehmen einen Burggraben haben. Probiert mal Coca Cola zu kopieren. Das ist das klassische Beispiel, das immer gebracht wird. Coca Cola kopieren wird nicht funktionieren. Es gibt nur eine Coca Cola auf der Welt. Man kann heute 50 Milliarden nehmen – ob Dollar oder Euro – man wird so eine Marke nicht aufbauen können. Und das sind so Kriterien, die in dem Buch beschrieben sind und wenn man danach geht und handelt, wird man gar nicht so schlecht fahren.

Marielle: Wäre ja auch langweilig, mit einer 100%igen Erfolgsquote.

Alexander: Dann würde es jeder machen und dann überholt sich ein System von sich aus selber. Und dann wird das System nicht mehr funktionieren oder die Art, wie man investiert. Aber dadurch, dass das Value Investing so wenige machen, funktioniert das nach wie vor wunderbar.

Marielle: Eigentlich komisch, dass es so wenige machen.

Alexander: Es ist nachgewiesen über 100 Jahre hin, dass es funktioniert. Es ist eigentlich auch relativ leicht. Es ist nicht schwer, das kann jeder. Aber keiner macht’s. Warum? Weil die menschliche Psyche dagegen steht. Man braucht Zeit, man braucht Vertrauen. Man wird nicht von heute auf morgen belohnt. Es ist eine langwierige, langfristige Geschichte. Und anscheinend wiederspricht das der menschlichen Psychologie. Der Mensch will gerne von heute auf morgen etwas haben und von heute auf morgen Erfolge sehen will und hat keine Zeit. Und vielleicht auch zu wenig Selbstvertrauen in seine eigene Analyse, seine eigenen Gedanken. Aber letztendlich kann man die Value Strategie in 4-6 Stunden lernen und man wird damit langfristig sehr gute Erfolge erzielen.

Mike: Ja es ist so die absolute Grundlage. Also von dem was Du erzählt hast, ist es eigentlich so eines der Bücher, wenn sich jemand für Einzelunternehmen bzw. Einzelaktien interessiert, sollte er auf jeden Fall dieses Buch gelesen haben, um da ein Gefühl dafür zu bekommen.

Alexander: Ich meine er sollte erst mal viele andere Bücher lesen und vor allem die Zeitungen verfolgen. Aber wenn er dann an dem Punkt ist, an dem er sagt ich möchte investieren und nicht spekulieren. Dann würde ich sagen, ist das das Buch Nummer 1!

Marielle: Und würdest Du sagen, es ist trotzdem eher ein Buch für etwas Fortgeschrittene? Muss man die ganzen Kennzahlen zum Beispiel bereits verstehen oder bekommt man sie in dem Buch auch noch einmal erklärt?

Alexander: Man kriegt die Kennzahlen im Buch erklärt. Ich würde aber sagen, man sollte schon 1-2 Einsteigerbücher gelesen haben, damit man weiß, was eine Aktie ist, dass man weiß worum es an der Börse überhaupt geht. Jemandem, der absolut null Ahnung hat, würde ich es nicht empfehlen. Aber jeder, der sagt „Mensch Börse interessiert mich“, anfängt sich damit zu beschäftigen, rausgefunden hat, „Was ist ein ETF? Was ist die Börse?“. Das ist ein Marktplatz, eine Aktie ist ein Unternehmensanteil.

Also es ist nicht, dass man Fachwissen mitbringen muss, aber ich sage mal, man sollte Lesen und Schreiben können und schon mal ein bisschen was davon gehört haben. Und dann kann man das Lesen. Das Problem beim Lesen und Verstehen ist immer zweierlei. Man liest sehr viel, hat es aber eigentlich nicht verstanden. Und je mehr Hintergrundwissen man hat oder in einem Bereich Erfahrungen hat, liest man ein Buch ganz anders. In dem Moment, wenn man ein Studium anfängt und ein Buch liest, wird man das nicht so verstehen, wie wenn man schon 5-6 Semester hinter sich hat. Und das ist an der Börse durchaus das Gleiche. Wenn man etwas Erfahrung, eine Grundlage hat, wird man beim Lesen das anders lesen und verstehen als jemand, der noch nie damit sich beschäftigt hat.

Mike: Ja und auch den Transfer hinzubekommen. Also wenn ich ein Buch lese, das über meinen Fähigkeiten liegt, klingt das in dem Buch immer logisch, die Beispiele sind stimmig, es funktioniert immer alles. Und wenn ich dann herausgehe aus dem Buch und versuche es selbst umzusetzen, dann stehe ich da und denke mir: Irgendwie hat das in dem Buch besser funktioniert, als jetzt grade bei mir.

Alexaner: Also da muss ich sagen, wenn man sich jetzt die Grundlagen aus dem Buch hernimmt und sich dann die Zahlen besorgt. Das geht ja heute sehr leicht mit dem Internet. Früher musste man noch die Unternehmen anrufen und drum bitten, dass sie einem die Jahresberichte schicken und alles selber heraussuchen. Es war früher sehr müßig an Zahlen heranzukommen. Man hat Wochen und Monate gebraucht, um etwas Vernünftiges zu haben, was ich heute mit 2-3 Mausklicks in drei Minuten habe. Auf jeder Seite von den Investor Relation kann ich mir die Jahresberichte herunterladen. Ich habe die Dividenden über 10 Jahre oder sogar 20-30 Jahre hinterlegt. Es gibt sehr gute Seiten im Internet, zum Beispiel vom Thorsten Tiedt den Aktienfinder, der 20 Jahre zurück die Daten hat. Da habe ich drei Mausklicks und sehe es grafisch auf einen Blick. Da habe ich früher Monate gebraucht, mir die ganzen Sachen zu besorgen. Also wenn man das heute macht und sich Schritt für Schritt dem annähernd, muss man kein Grundwissen haben. Die Zahlen muss man teilweise noch mit der Hand ausrechnen und sie sich anschauen. Dann wird man sehr schnell das Gefühl haben und sehen, in welche Richtung ein Unternehmen läuft. Ist es interessant oder ist es nicht interessant? Und da lernt man sehr viel und das kann man ohne großes Vorwissen mit dem Buch machen.

Marielle: Hast Du das Buch auf Deutsch oder Englisch gelesen?

Alexander: Auf Deutsch! Mein Englisch ist grottenschlecht. Ich habe mein ganz normales Schulenglisch und nutze heute noch teilweise die Google-Übersetzung für die Texte auf englischen Blogs. Mir langen oft ein paar Wörter. Increase ist gut und decrease ist schlecht – so viel habe ich mitgekriegt. Aber ansonsten ist mein Englisch eigentlich grottenschlecht. Und ich muss sagen, ich habe auch keine Lust mich auf einen Englischkurs einzulassen. Ich schlage die Wörter nach, die regelmäßig auftauchen. Und wenn ich einen Text überfliege, verstehe ich den Sinn und Inhalt. Wenn ich es genau wissen will, lasse ich es noch von Google übersetzen. Und notfalls nehme ich dann wirklich das Wörterbuch her – aber das kommt einmal im Jahr vor. Aber ansonsten – Bücher lese ich grundsätzlich auf Deutsch.

Marielle: Okay. Ich finde es nur immer interessant, dass die Preise für die Bücher zum Teil sehr unterschiedlich sind, ob auf Deutsch oder im Original auf Englisch. Und manchmal ist die Formulierung auf Englisch doch einfach anders – aber klar, da muss man es halt doch sehr gut verstehen und sich viel damit beschäftigen.

Alexander: Um die feinen Nuancen wie Sprichwörter o.ä. zu verstehen, muss man eigentlich die englische Sprache sehr gut verstehen, um auch zwischen den Zeilen das was der Autor meint lesen zu können. Dafür langt mein Englisch bei weitem noch aus. Ich muss auch sagen, bei Fachbüchern macht die Übersetzung meist nicht so viel aus wie bei Literatur. Ich kann mir aber vorstellen, man kann zum Beispiel Shakespeare übersetzen wie man will, man wird es dennoch nie so hinbekommen, wie Shakespeare es gemeint hatte.

Marielle: Bei einem Fachbuch ist das dann wahrscheinlich echt nicht so extrem, weil nur Fakten niedergeschrieben werden.

Alexander:Genau. Wegen dem Preis habe ich auch nochmal gegoogelt letztens. Buffettology bekommt man bei Amazon gebraucht für 2 € – soviel ich weiß, wird es nicht mehr verlegt. Man kann es somit nur noch gebraucht erwischen, was ich sehr schade finde. Das Buch sollte man auf alle Fälle kaufen.

Marielle: Naja vielleicht wird es ja dann irgendwann noch so einen antiken Wert bekommen.

Alexander: Wäre zum Beispiel möglich ja. Also ich schaue grade hinten drauf: Ich habe 9,95€ dafür bezahlt. Im Nachhinein muss ich sagen, es wären sogar 100 € dafür gerechtfertigt. Es gibt immer so versteckte Bücher, die nicht dem Mainstream entsprechen, die in keinen Chartlisten auftauchen, aber einen unwahrscheinlichen Mehrwert bieten.

Marielle: Naja bald werden die drei in unseren Chartlisten auftauchen.

Alexander: Gut!

 

Übers Lesen – Teil 2

Mike: Noch eine abschließende, etwas allgemeinere Frage: Du hast ja schon gesagt, dass Du unwahrscheinlich viel liest und wir haben auch schon gehört, wie viele Bücher bei Dir zuhause stehen. Was bedeutet denn lesen für Dich?

Alexander: Lesen ist für mich essentiell. Ich lese eigentlich sehr viel, sehr gerne. Aber ich muss sagen, es ist in den letzten Jahren etwas weniger geworden. Bei mir ist es generell so, wenn mich ein Thema interessiert, kaufe ich mir ein Buch. Man kann im Internet immer wieder suchen, in Foren steht viel Quatsch drin. Aber wenn mich ein Thema interessiert, kaufe ich ein Buch. Ich habe mal überlegt, selber zu Räuchern. Fisch, Schinken – prima Sache! Das erste was ich gemacht habe: Zwei Bücher gekauft. Das gleiche mit den Optionen, die momentan einen gewissen Hype erleben. Was habe ich gemacht? Ich habe mir erstmal zwei Bücher gekauft. Weil bei Büchern kann ich dann lesen, ein Kapitel auch mal zwei Mal lesen, ich kann vor und zurückblättern, ich kann es unter den Arme nehmen und mitnehmen. Also für mich ist lesen eine sehr wichtige Angelegenheit.

Man bildet sich in allen Richtungen weiter. Ich habe Psychologiebücher gelesen, Medizinbücher, wie zum Beispiel das menschliche Gehirn funktioniert, ist sehr interessant. Kann man auch wieder für die Börse nehmen. Es hat sich ja in den letzten Jahren Behavioral Finance herausgebildet, also Börsenpsychologie. Ich kenne mich in relativ vielen Wissensgebieten ein klein wenig aus, kratze an der Oberfläche, aber nirgends richtig. Das ist immer mein Problem. Dadurch, dass ich so viel lese, verwechsle ich auch vieles und das führt dann zu Verwirrungen und Irrungen. Aber lesen an sich ist für mich ein essentieller Teil. Also im Sommer gibt es nichts Schöneres als draußen sich hinsetzen mit einer Tasse Kaffee und einem Buch und dann eine halbe, dreiviertel Stunde lesen. Meistens werde ich müde, dann schlafe ich ein und dann lese ich die nächsten Kapitel weiter. Lesen ist für mich sehr wichtig einfach, ein wesentlicher Bestandteil vom Leben.

Marielle: Das mit dem Einschlafen beim Lesen passiert mir auch immer.

Alexander: Ja komischerweise werde ich müde vom Lesen, ist für mich ein wunderbares Einschlafmittel.

Marielle: Wie viel liest Du so im Jahr? Was würdest Du sagen, wie viele Bücher es sind?

Alexander: Also inzwischen ist es weniger geworden. Ich lese jetzt im Monat vielleicht nur noch ein Buch. Aber es gab Zeiten, da habe ich im Monat 2-3 Bücher gelesen.

Marielle: Naja jetzt musst Du ja auch viel selbst schreiben.

Alexander: Inzwischen schreibe ich etwas mehr selber, ja. Und ich lese auch deshalb weniger Bücher, weil ich auch im Internet mehr lese. Inzwischen ist es so, man hat ja die Nachrichtenkanäle, wo man liest, man liest in den anderen Blog zum Beispiel Beziehungs-Investoren. Das ist ein interessanter Blog, da lese ich immer alles (lacht). Also alleine die Masse an Blogs. Ich habe alleine 40 Feeds, wo ich dann regelmäßig die Blogs bekomme und lese. Ich lese eigentlich nicht weniger, aber weniger Bücher. Das hat sich eben verlagert.

Früher habe ich auch noch mehr geantwortet bei den einzelnen Blogs, aber inzwischen funktioniert das zeitlich nicht mehr. Wenn man bei 30 Blogs 30 Kommentare abgibt, nochmal nachschaut und noch einen Kommentar dazugibt. Das wird ja irgendwo dann Hauptbeschäftigung und ein Hamsterrad 2.0. – deswegen sage ich lese ich mehr, als dass ich inzwischen schreibe. Ich habe einen eigenen Blog zu schreiben und habe inzwischen auch noch bei einigen anderen Blogs und Zeitschriften Artikel veröffentlicht. Ich habe in einzelnen Büchern in einzelnen Kapiteln mitgeschrieben, weil ich dafür komischerweise angefragt wurde. Also es hat sich etwas geändert, aber ich komme im Monat immer noch auf ca. 1 Buch.

Mike: Na das ist immer noch eine ordentliche Frequenz, da können wir uns aktuell noch ein bisschen eine Scheibe abschneiden.

Alexander: Ja Ihr habt genug anderes zu tun!

 

Wrap Up & Verabschiedung

Mike: Okay, damit sind wir am Ende angekommen. Hast Du noch etwas, was Du unseren Hörern auf jeden Fall mitgeben möchtest?

Alexander: Das wichtigste ist auf jeden Fall: Lesen, offen sein, sich weiterbilden und sich seine eigene Meinung bilden. Und Interesse in allen Richtungen zeigen, denn irgendwo kommt doch wieder alles zusammen und spielt alles zusammen. Also ich kann den Leuten nur raten: Lesen, Lesen, Lesen.

Marielle: Das ist doch ein wunderbares Schlusswort!

Mike: Ich bedanke mich sehr herzlich bei Dir, Alexander! Es war ein super Interview und ich habe auf jeden Fall enorm viel mitgenommen und bin jetzt total heiß, die Bücher zu lesen.

Alexander: Ich danke Euch auch für das Interview!

Marielle: Vielen Dank!

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